Vorstandsvorsitzender Frank Kleinsorg und Beiratsvorsitzender Prof. Dr. Jens Hadler im Gespräch mit der SVZ

Artikel in der Schweriner Volkszeitung vom 06. Mai 2017

Der BC Traktor Schwerin sorgt wieder für Schlagzeilen, macht mit sportlichen Erfolgen und gesellschaftlichem Engagement auf sich aufmerksam. Darüber sprach SVZ-Sportredakteur Ralf Herbst mit dem Vereins-Präsidenten Frank Kleinsorg und dem Beiratsvorsitzenden Prof. Dr. Jens Hadler.

 

Herr Kleinsorg, der Box-Club Traktor wurde mit dem Annette-Köppinger-Preis der Stadt Schwerin für Toleranz und Menschlichkeit sowie mit dem „Grünen Band" für herausragende Nachwuchsarbeit geehrt. Im Boxring läuft es auch gut. Erstmals seit 1992 gab es Schweriner Olympiastarter und sogar Olympia-Bronze. Wie geht es weiter?

Kleinsorg:

Dies ist das Resultat langer und disziplinierter Arbeit aller Verantwortlichen hier vor Ort über Jahre. Die Aufgabenfelder nehmen derzeit neue Dimensionen an, sowohl im Leistungssport, wo es darum geht, unsere Trägerrolle als Landesleistungszentrum weiter zu stärken, als auch im Freizeitsport – Stichwort: Boxen statt Gewalt. Deshalb haben wir auf der jüngsten Mitgliederversammlung einen Beirat mit drei Mitgliedern unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Jens Hadler gewählt. Der Beirat soll die Arbeit unserer Trainer, Boxer, aber auch die des ganzen Vereins einerseits kontrollieren, vor allem aber natürlich auch unterstützen.

 

Was hat Sie, Prof. Dr. Hadler, dazu bewogen, eine Beiratsfunktion anzunehmen?

Prof. Dr. Hadler:

Mich verbindet mit dem Boxsport in Schwerin sehr, sehr viel. Ich stamme hier aus der Region und hatte schon in Kinder- und Jugendtagen Kontakt zum Club, da mein großer Bruder für diesen boxte. Schon damals schaute ich zu den erfolgreichen Traktor-Boxern auf und mich faszinierten die enorme Disziplin sowie der Ehrgeiz der Trainer und Sportler. Nun möchte ich dem Sport und der Region etwas zurückgeben und freue mich auf die Aufgabe. Im Verlauf des letzten Jahres bekam ich einen sehr detaillierten Einblick hinter die Kulissen und ich habe allerhöchsten Respekt vor dem, was hier beim Boxclub Traktor durch die Ehren- und Hauptamtlichen geleistet wird. Hier sind top Voraussetzungen gegeben, um Schwerin wieder zum erfolgreichsten Boxclub der Republik zu machen und gleichzeitig der gesellschaftlichen Verantwortung des Boxclubs gerecht zu werden.

 

Zur Zeit rollt am Sportgymnasium der Bagger und es wird eine weitere Boxhalle im Sportkomplex am Lambrechtsgrund gebaut. Warum noch eine?

Kleinsorg:

Der deutsche olympische Boxsport wird künftig hauptsächlich auf zwei Leistungszentren konzentriert: Heidelberg und Schwerin. Damit wird von uns viel mehr erwartet. So werden bald weitere ambitionierte Boxer aus allen Teilen Deutschlands mit Blick auf Olympia 2020 ihr Training in Schwerin aufnehmen. Das braucht auch Platz. Das Projekt „Boxen statt Gewalt" sorgt seit Jahren für Aufmerksamkeit. Wie sieht es hier aktuell aus? Kleinsorg: Unser Motto, den Teilnehmern mit Hilfe des Sportes neue Anreize zu bieten und mit Vorbildern aus diesem Projekt zu punkten, hat voll eingeschlagen. Und dank des großen Engagements aller im Verein ist hier eine solide Ausbildungsplattform für junge Sportler entstanden. Mittlerweile trainieren wir mit diesem Projekt in Schwerin auf dem Dreesch und in Lankow sowie in Cambs. Wir wollen unsere guten Erfahrungen an Kooperationsvereine weitergeben und unser Erfolgskonzept auch überregional etablieren.

 

Wird das Schweriner Publikum seine Boxer künftig mehr im heimischen Ring erleben können?

Prof. Dr. Hadler:

Wir veranstalten ja schon jetzt regelmäßig im Frühjahr einen Juniorscup für die jüngeren Jahrgänge. Im Dezember findet bereits das 5. Sven-Lange-Gedenkturnier statt, das sich mittlerweile zu einem internationalen Höhepunkt entwickelt hat. Für unsere Jüngsten führen wir in Kooperation mit dem Internationalen Bund Schwerin eine Schülermeisterschaft durch, die in Schwerin ihre Wiege hatte, inzwischen aber längst überregional ausgetragen wird. Was unsere Elite betrifft, so prüfen wir derzeit den Wiedereinstieg in die Bundesliga. Dort wollen wir dann aber nicht nur mitmachen, sondern unserem Anspruch, Boxsport auf höchstem Niveau zu realisieren, gerecht werden.

 

Welche Rolle wird das Profiboxen für Traktor spielen?

Prof. Dr. Hadler:

Ich denke, eine große. Wir haben ja ohnehin seit langem Trainer in unseren Reihen, die selbst früher als Profis oder Profitrainer sehr erfolgreich waren. Durch den Kurswechsel des Weltverbandes AIBA hin zur Kooperation mit den Profiverbänden eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Jürgen Brähmer und ich diskutieren beispielsweise derzeit über Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Wir sind gemeinsam äußerst zuversichtlich, Schwerin ausgehend von den bereits existierenden Erfolgen sowohl im Amateur- wie auch im Profibereich zu einem national wie international führenden Boxleistungszentrum weiter ausbauen zu können. Nirgendwo sind die Voraussetzungen dafür besser als in unserer Landeshauptstadt.


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